Verschönerungsverein Oberkotzau e.V.

 

Festschrift 2006
100 Jahre Verschönerungsverein Oberkotzau

100 Jahre Verschönerungsverein
ein historischer Rückblick 

 

Im Jahr 1906 herrschte im damaligen deutschen Kaiserreich Zufriedenheit, Zuversicht und wirtschaftlicher Aufschwung – es war die oft zitierte „gute, alte Zeit“! In unserer Region florierte die Porzellan- und Textilindustrie, angetrieben durch die Eisenbahn und getragen durch das neu entstandene Selbstbewusstsein des Bürgertums.

Vor diesem Hintergrund müssen die Anstrengungen unserer Gründerväter gesehen werden, die Natur zu kultivieren und somit zur Verschönerung ihrer Gemeinde Oberkotzau beizutragen – das Flanieren auf gepflegten Wegen, das Umwandeln von wilder Natur in parkähnliche Landschaften und das Gründen von Vereinen und Stammtischen entsprachen den zeitgenössischen Vorstellungen. 

So lag es nahe, dass sich etliche rührige und verantwortungsvolle Bürger Ober­kotzaus besonders um eine Brachfläche im Norden kümmern wollten.

Die „Oberkotzauer Zeitung“(Verlag Summerer) beschreibt dieses Gelände im Jahr 1904 wie folgt:

„Die Reuth ist ein wüster Berg, man kann sagen „da drunten ist´s fürchterlich“. Schutt und Gerölle, darunter einige kleine Oasen bebauten Bodens, es fröstelte den Beschauer, wenn er von der Höhe dieses 12 Tagwerk umfassenden Grundstückes herabsah. Der ganze Ertragfür dieses fast wertlose Grundstück beträgt 12 Mark jährlichen Pachtzins.“

Die Gründung unseres Vereins wurde Initiiert und mit stattlichen 800 Mark finanziell unterstützt von dem fingierten Verein respektive Stammtisch „Die Börse“. So trafen sich am 2.7.1906 in der damaligen Gaststätte Schultheiß (Georgenstraße) etliche Bürger und Honoratioren Oberkotzaus – unter anderem auch der Baron Friedrich von Kotzau – und gründeten den Verschönerungsverein Oberkotzau. Unter vielen namhaften Persönlichkeiten wurden gewählt als erster Vorstand Förster Franz Hoffmann, als Stellvertreter Bürgermeister Georg Merkel, als Schriftführer Fabrikant Karl Herda und als Kassier Schreinermeister Gustav Hübner. 

Durch eine beeindruckende Kraftanstrengung der neuen Vereinsverantwortlichen mit Unterstützung aller tat-und finanzkräftigen Bürger und der Kommune gelang es, das nun vereinseigene Gelände „Reuth“ zu kultivieren. Es wurden Wege zum Flanieren angelegt, Alleen gepflanzt, Steinbrüche zu romantischen Grotten umgewandelt, Ruhebänke und Pavillons (unter anderem der so genannte „Falkenhorst“ oberhalb des „Blauen Felsen“) aufgestellt, Rondelle und Wasserspiele geschaffen sowie Gedenksteine errichtet – die „Reuth“ wurde zur „Anlage“! 

Ein Zitat aus der „Oberkotzauer Zeitung“ aus dem  Jahr 1924 verdeutlicht die Begeisterung: „Durch die Opferwilligkeit der Gesamteinwohnerschaft, freiwillige Spenden und Fuhren an Material wuchs das Unternehmen; kräftig entwickelten sich die Pflanzen, schöne Aussichtspunkte, durch die das herrliche Panorama erst zur Geltung kam, wurden geschaffen und es ging alles einer sehr guten Entwicklung entgegen…“.

Man kann sich gut die Oberkotzauer Bürger vorstellen, die mit Gehrock und Zylinder voller Stolz und Neugierde in ihre Anlage flanierten. Dass ein entsprechender Ausflug „Durstmacht“, wurde damals schon beobachtet – so erbaute der Gastwirt Christoph Schultheiß im Jahre 1906 an der Stelle der heutigen Tanzfläche eine Unterkunftshütte aus Holz, die „Sommerwirtschaft“, um an Wochenenden die Spaziergänger zu bewirten. 

Zu damaliger Zeit begannen aber auch Aktivitäten wie das Schützen alter Bäume, das Pflanzen von Hecken und das Aufstellen von Ruhebänken auch außerhalb des vereinseigenen Geländes (z.B. am Friedhofsberg, nach Autengrün). 

Der Beginn des ersten Weltkrieges beendete alle Vereinsaktivitäten – die mühevoll geschaffenen Pavillons verfielen bzw. wurden zertrümmert, die Wege wurden von Unkraut überwuchert und auch die Schutzhütte wurde zu dieser Zeit ein Opfer der Geschichte.

Im Jahre 1919 begannen erste zaghafte Versuche, die Vereinsaktivitäten wieder zu beleben. Die noch vorhandenen Anlagen wurden notdürftig instand gesetzt und ein massives Blockhaus zum Bierausschank wurde gebaut.

Neben den wirtschaftlich und politisch sehr schwierigen Verhältnissen in der Nachkriegszeit erschwerten auch immer wieder bewusste Zerstörungen den Wiederaufbau der Anlage – so schreibt wiederum die „Oberkotzauer Zeitung“ im Jahr 1924: „Tische und Stühle in der Anlage wurden demoliert – derartige Rohheiten haben in der Regel ihren Grund in der bedauerlichen Tatsache, dass es vielen Leuten an ergiebiger Arbeit mangelt….“. So war ein festes Wirtshaus unter ständiger Verpachtung an ein Wirtsehepaar schon damals der Wunsch der Vereinsverantwortlichen.

Eine entscheidende Entwicklung in der Vereinsgeschichte begann am 14. März 1927 in der Oberkotzauer Gaststätte „Zur Stadt Hof“ („Strößner´s Gerch“): der dort behei­matete Stammtisch „Kümmeltürken“ erklärte sich bereit, dem Verschönerungsverein ein Darlehen in Höhe von 5.000 Reichsmark für den Bau eines Wirtschaftsgebäudes zur Verfügungzu stellen.

Nach zwei Jahren der Annäherung und der Planung – die Baukosten wurden auf ca. 10.000 Mark veranschlagt - wurde am 19.4.1930 der Bau durch die jeweiligen Vereinsgremien beschlossen. Der Bau wurde am 12.Mai 1930 begonnen und schon nach 2 Monaten erfolgreich abgeschlossen. Am 13.Juli wurde dann die Gaststätte „Friedrichsruh“ eingeweiht, zwei Tage später fusionierten die beiden Vereine offiziell. 

Der Bau der „Friedrichsruh“ auf dem von der Familie Heller gestifteten Grundstück war nur durch den Zusammenschluss des Ver­schönerungs­vereins mit den „Kümmeltärk´n“ möglich. Die gemeinsamen Anstreng­ungen der beiden Vereine, der Gemeinde Oberkotzau, der ortsansässigen Betriebe und letztendlich der gesamten Oberkotzauer Bevölkerung ermöglichten durch Arbeitseinsätze und Spenden den Stammbau unserer Vereinsgaststätte in diesen schweren Zeiten.

Die bald folgenden zwölf schrecklichsten Jahre der deutschen Geschichte machten auch nicht vor den Vereinen halt. Bereits 1933 verboten die nationalsozialistischen Machthaber das offizielle Vereinsleben, das öffentliche Leben wurde „gleich geschalten“. Der von den Deutschen entfachte und verlorene zweite Weltkrieg hinterließ katastrophale Zustände.

Das Jahr 1948 bildete mit der Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen einen ersten Hoffnungsschimmer, so dass es auch nicht verwundern kann, dass erst in diesem Jahr erste Vereinsaktivitäten zu verzeichnen sind: die ersten zaghaften Vereinsaktivitäten bestanden im Bau und in der Renovierung vereinzelter Ruhebänke – das Wirtsehepaar Muschi lockte mit Dünnbier wieder die ersten Gäste in die „Friedrichsruh“.

Das deutsche Wirtschaftswunder kurbelte aber auch wieder das gesellschaftliche Leben im Verschönerungsverein an, der aufgrund der neuen staatsrechtlichen Situation neu in das Vereinsregister eingetragen werden musste. Bereits zehn Jahre nach Kriegsende waren die Nachfrage und die Zuversicht wieder so groß, dass in den Jahren 1956/1957 der (nördliche) Anbau beschlossen und durchgeführt wurde. Auch dieses Mal mussten die immensen Kosten und Arbeiten auf viele tat- und zahlungskräftige Schultern verteilt werden.

In den folgenden Aufbaujahren stabilisierte sich das Vereinsleben durchsteigende Mitgliederzahlen, so dass viele bauliche Unternehmungen wie z.B. Anlage einer Terrasse, Einbau einer Zentralheizung, Erneuerung der Stromversorgung, Straßenneubau und Renovierung des Innenraumes erfolgreich umgesetzt werden konnten.

Seit den 70er Jahren kümmert sich unserer Verein nicht nur um das vereinseigene Naherholungsgebiet und um etliche Ruhebänke rund um Oberkotzau, sondern organisiert gemeinsam mit der Schule und Marktgemeinde Oberkotzau auch die Wiesenfestausstellung. 

In den Jahren 1981/1982 erfolgte dann der südliche Anbau (mit kompletter Toilettensanierung) – die aktuelle Außenansicht war fertig gestellt!

Unter Mithilfe vieler aktiver Helfer bzw. Spender und durch finanzielle Kraftanstrengungen geschahen weitere Meilensteine in der Geschichte unseres Anwesens: 1991 wurde der Anschluss an die kommunale Wasserversorgung mit gleichzeitiger Unterbringung des Strom- und Telefonkabels erreicht; 1999 wurde ein weiteres Stück Wald erworben und die Zufahrtsstrasse komplett saniert.

Unser Verein sieht nach einem Jahrhundert mit Höhen und Tiefen seine Hauptaufgaben in der Erhaltung bzw.Pflege unseres Naherholungsgebietes „Friedrichsanlage“ und in der Sicherung der überregional bekannten und beliebten Ausflugsgaststätte „Friedrichsruh“ – das Aufstellen von Ruhebänken rund um Oberkotzau war und ist für uns eine Verpflichtung! 

Der Verschönerungsverein Oberkotzau blickt voller Stolz auf seine Geschichte zurück und geht mit Elan und voller Verantwortung an die Herausforderungen der Zukunft.